Cheats verstehenRatgeber

Wie Cheats technisch funktionieren: von Codes bis Speicheränderung

Cheats setzen an verschiedenen Stellen an. Eingebaute Codes schaltet das Spiel selbst frei, andere Werkzeuge ändern den Spielstand, die Daten auf dem Weg zur Konsole oder Werte im Arbeitsspeicher des laufenden Spiels. Mehrspieler-Cheats nutzen aus, dass der eigene Rechner mehr Informationen erhält, als auf dem Bildschirm zu sehen sind.

Geöffnetes PC-Gehäuse mit Arbeitsspeicher und Platine auf einer Werkbank, daneben ein Gamepad im violetten Licht
Bild: KI-generiert

Ein Cheat ändert, was ein Spiel tut, aber nicht jeder Cheat setzt an derselben Stelle an. Manche Codes hat der Hersteller selbst eingebaut, andere Werkzeuge greifen von außen in Dateien oder in den Arbeitsspeicher ein. Diese Seite erklärt die Ebenen von der einfachsten bis zur tiefsten und zeigt, warum Mehrspieler-Cheats ein eigenes Problem sind. Sie beschreibt Prinzipien und Begriffe. Anleitungen zum Umgehen von Schutzmechanismen findest du hier nicht.

Eingebaute Cheats: der Hersteller entscheidet

Die einfachste Form sind Cheats, die im Spiel selbst stecken. Entwickler bauen sie oft ein, um einzelne Teile eines Spiels testen zu können, ohne jedes Mal die schweren Stellen spielen zu müssen [1]. Spieler geben sie meist als geheimes Passwort oder als Tastenfolge auf dem Controller ein, manche Spiele verstecken sie auch an ungewöhnlichen Stellen, etwa in der Namenseingabe für die Bestenliste [1].

Technisch ist das unspektakulär. Das Spiel prüft die Eingaben und schaltet bei der richtigen Folge eine Funktion frei, die ohnehin vorhanden ist, etwa Unverwundbarkeit. Bei modernen Engines gehört das zum Werkzeugkasten. Epic Games empfiehlt für die Unreal Engine, Konsolenvariablen für die Entwicklung als Cheat zu kennzeichnen, und schlägt vor, solche Funktionen für die Verkaufsfassung ganz aus dem Programm zu entfernen [5]. Ob ein Spiel nach dem Verkaufsstart noch Cheats hat, ist also eine bewusste Entscheidung des Studios.

Eingebaute Cheats sind am wenigsten riskant, weil sie keine fremde Software brauchen. Bekannte Beispiele sind der Konami-Code und die Doom-Codes. Wie du die Entwicklerkonsole öffnest, steht unter Entwicklerkonsole in Spielen aktivieren.

Spielstände verändern

Eine Stufe weiter liegt das Bearbeiten gespeicherter Spielstände. Es ist ein indirekter Weg, Spieldaten zu verändern, früher meist mit Hex-Editoren [1]. Das Spiel läuft dabei nicht. Die Änderung steht in der Datei und wirkt beim nächsten Laden. Das Verfahren hat seine Tücken, weil viele Spiele ihre Spielstände komprimieren oder in eigenen Formaten ablegen. Mehr dazu unter Spielstände bearbeiten.

Daten auf dem Weg austauschen: Cheat-Module

Auf Konsolen setzten Cheat-Module an einer anderen Stelle an. Sie wurden an einen Anschluss der Konsole oder des Heimcomputers gesteckt, bekannte Beispiele sind Game Genie und Action Replay [1]. Das Game Genie für das Nintendo Entertainment System erschien 1990 und saß zwischen Spielmodul und Konsole. Es fing Daten ab, die die Konsole aus dem Modul las, und ersetzte sie nach den Eingaben des Spielers durch geänderte Werte [4]. Das Spiel selbst blieb unverändert, es bekam nur andere Daten zu sehen.

Retro-Spielkonsole mit eingestecktem Spielmodul und Zwischenadapter auf einem Teppich im warmen Licht
Bild: KI-generiert

Den Arbeitsspeicher verändern

Am PC arbeiten die meisten Cheat-Werkzeuge mit dem Arbeitsspeicher. Während ein Spiel läuft, stehen dort Zahlen wie Lebenspunkte, Munition oder Spielgeld. Schon auf frühen Heimcomputern änderten Spieler mit dem Befehl POKE vor dem Spielstart einzelne Speicherstellen und bekamen so etwa unendlich viele Leben [1].

Nahaufnahme eines Arbeitsspeicher-Moduls mit feinen Lichtspuren auf den Chips vor dunklem Hintergrund
Bild: KI-generiert

Heutige Trainer sind eigene Programme, die den Speicher eines laufenden Spiels bearbeiten. Sie "frieren" einen Wert ein, damit er sich nicht mehr ändert, oder schreiben neue Werte an bestimmte Stellen [3]. Allgemeine Speicherscanner wie Cheat Engine lassen den Nutzer selbst nach dem passenden Wert suchen, spezialisierte Trainer bringen die Stellen für ein bestimmtes Spiel fertig mit.

Warum Adressen wandern

Ein Wert steht nicht bei jedem Spielstart an derselben Stelle. Viele Objekte entstehen erst während des Spiels, und das Betriebssystem lädt Programme mit der Adressraum-Randomisierung (ASLR) an wechselnde Adressen [3]. Werkzeuge brauchen deshalb einen stabilen Weg zum Wert, etwa einen festen Zeiger, der auf das Objekt verweist, oder sie hängen sich in Funktionen des Spiels ein [3]. Nach einem Update des Spiels stimmen diese Wege oft nicht mehr. Deshalb funktionieren Trainer häufig nur mit einer bestimmten Spielversion.

Begriffe aus der Speicheränderung

In Beschreibungen von Cheats tauchen einige Fachbegriffe immer wieder auf. Die folgende Liste erklärt sie kurz.

  • Speicherscanner: Programm, das den Arbeitsspeicher eines Prozesses nach einer bestimmten Zahl durchsucht.
  • Zeiger (Pointer): gespeicherte Adresse, die auf eine andere Stelle im Speicher verweist.
  • Einfrieren: einen Wert immer wieder auf dieselbe Zahl setzen, damit das Spiel ihn nicht verändern kann.
  • Hook: Umleitung, mit der ein Programm sich zwischen eine Funktion und ihren Aufrufer schaltet.
  • Code-Injektion: fremder Code, der im Prozess des Spiels ausgeführt wird.

Das Einhängen in Programmschnittstellen ähnelt Methoden echter Schadsoftware und kann deshalb von Schutzprogrammen als solche erkannt werden [3]. Das erklärt, warum Virenscanner bei vielen Cheat-Werkzeugen anschlagen.

Interne und externe Cheats

Bei Cheats für Onlinespiele unterscheidet man zwei Bauarten. Interne Cheats bringen eigenen Code in den Prozess des Spiels, häufig über das Einschleusen einer Programmbibliothek. Von dort lesen und schreiben sie den Speicher und hängen sich in Funktionen des Spiels ein [2]. Externe Cheats bleiben ein eigener Prozess und nutzen Schnittstellen des Betriebssystems, um auf den Speicher des Spiels zuzugreifen [2].

Eine dritte Gruppe arbeitet ganz außerhalb des Spielrechners. Mit sogenannten DMA-Karten kann ein zweiter Computer den Speicher des Spiels auswerten, was die Erkennung erschwert [2]. Wie Hersteller solchen Cheats begegnen und warum KI dabei inzwischen auf beiden Seiten eine Rolle spielt, beschreibt KI-Cheats und Aimbots.

Warum Mehrspieler-Cheats funktionieren

Im Einzelspieler ist dein Rechner die einzige Instanz, die entscheidet, was passiert. Im Mehrspieler kommt ein Server dazu. Für solche Spiele gilt der Grundsatz "Never trust the client": Der Server soll alle Daten eines Spielerrechners ablehnen, die gegen die Spielregeln verstoßen [2]. Ein Server, der alles selbst prüft, kann den Zustand des Spiels nachrechnen und Unstimmigkeiten erkennen [2].

Gang in einem Serverraum mit blinkenden Statuslampen im kühlen blauen Licht
Bild: KI-generiert

Trotzdem bekommt der eigene Rechner oft mehr Informationen, als er anzeigen soll. Viele Server schicken die Positionen aller Spieler an jeden Rechner und überlassen es der Grafik, Gegner hinter Wänden zu verstecken [2]. Genau das nutzen Wallhacks: Sie machen Wände durchsichtig oder blenden die versteckten Informationen ein [2]. Aimbots übernehmen das Zielen. Weil die Positionen ohnehin auf dem Rechner liegen, können sie Gegner auch hinter Wänden anvisieren [2]. Andere Cheats stören die Verbindung gezielt: Der Rechner sammelt die eigenen Aktionen, während Mitspieler verzögert oder ruckartig reagieren und der Cheater für sie wie teleportiert oder unverwundbar wirkt [2].

Solche Cheats schaden anderen Spielern. Deshalb verbieten Hersteller sie, und auf dieser Website gibt es dazu keine Anleitungen.

Wie Anti-Cheat darauf antwortet

Hersteller setzen an mehreren Stellen gleichzeitig an. Auf dem Server prüfen sie, ob Aktionen den Regeln entsprechen, und suchen mit statistischen Verfahren nach auffälligem Verhalten [2]. Auf dem Spielerrechner suchen Programme nach Mustern bekannter Cheats. Valve beschreibt sein System VAC als automatisches Verfahren, das auf den Computern der Nutzer installierte Cheats an ihren Signaturen erkennt [7]. Dazu kommen Verfahren, die den Programmcode des Spiels verschleiern, damit Werkzeuge die gesuchten Stellen schwerer finden [2].

Jedes dieser Verfahren hat Grenzen. Die Mustersuche muss ständig aktualisiert werden, die Verhaltensanalyse kann besonders gute Spieler fälschlich verdächtigen, und die Verschleierung kostet Leistung [2]. Weil Anti-Cheat-Software oft auf sehr tiefe Schnittstellen des Systems zugreift, kann sie zudem mit neueren Betriebssystemen Probleme bekommen [2]. Wie tief solche Software eingreift, erklärt Kernel-Anti-Cheat, einen Überblick gibt Anti-Cheat-Systeme.

Was das für Einzelspieler bedeutet

Für den Einzelspieler reichen fast immer die einfachen Ebenen: eingebaute Codes, die Entwicklerkonsole oder ein bearbeiteter Spielstand. Sie verändern nur dein eigenes Spiel und brauchen meist keine Zusatzsoftware. Viele Spiele zählen allerdings keine Erfolge, solange ein Cheat-Modus aktiv ist, darunter die meisten Xbox-Spiele [1].

Rechtlich hat der Bundesgerichtshof am 31.07.2025 entschieden, dass Software, die nur variable Daten im Arbeitsspeicher einer Spielkonsole ändert und den Programmcode nicht antastet, das Bearbeitungsrecht des Herstellers nach § 69c Nr. 2 UrhG nicht verletzt (Az. I ZR 157/21) [6]. Das Verfahren trägt den Namen "Action Replay II". Die Software spiegelte dem Spiel einen Zustand vor, der im regulären Spiel vorkommen kann, aber nicht dem tatsächlichen Spielstand entsprach, etwa einen zeitlich begrenzten "Turbo" ohne Ende [6]. Die Nutzungsbedingungen eines Spiels gelten unabhängig davon.

  1. Cheating in video games. Wikipedia (englisch). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
  2. Cheating in online games. Wikipedia (englisch). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
  3. Trainer (games). Wikipedia (englisch). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
  4. Game Genie. Wikipedia (englisch). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Console Variables in C++. Epic Games, Unreal Engine Documentation. Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
  6. Behörde Zur urheberrechtlichen Zulässigkeit einer Cheat-Software (Pressemitteilung Nr. 149/2025). Bundesgerichtshof. Stand 31.07.2025. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Valve Anti-Cheat (VAC) System. Valve Corporation, Steam-Support. Stand 12.07.2021. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.