Fair Play und Anti-CheatRatgeber

Cheating-Skandale im E-Sport

Zu den bekanntesten Cheating-Skandalen im E-Sport gehören die Spielmanipulation von iBUYPOWER in Counter-Strike 2014, die Wettbetrugsfälle in der koreanischen StarCraft-Szene, der Aimbot-Fund bei einem LAN-Turnier 2018 und der Zuschauer-Bug, wegen dem die ESIC 2020 37 Trainer sperrte. Die Folgen reichen von Turnierausschlüssen über lebenslange Sperren bis zu Strafurteilen.

Bühne einer großen E-Sport-Halle mit zwei Reihen Spielertischen, davor das Publikum im Halbdunkel
Bild: KI-generiert

Im E-Sport hängen Preisgelder, Gehälter und Sponsorenverträge an den Ergebnissen, und auf viele Turniere werden Wetten abgeschlossen. Betrug lohnt sich hier also auf zwei Wegen. Man unterscheidet dabei Betrug, um zu gewinnen, etwa mit Cheat-Software, Angriffen auf Gegner oder Doping, und Betrug, um zu verlieren: Spiele werden absichtlich hergegeben, meist wegen Wettgewinnen [1]. Die Fälle unten zeigen beide Arten. Sie stammen aus Counter-Strike, StarCraft, Dota 2, League of Legends und Apex Legends.

Wer im E-Sport ermittelt und sperrt

Einen Weltverband mit Strafgewalt über alle Spiele gibt es im E-Sport nicht. Zuständig sind zwei Arten von Stellen: Organisationen, die mehrere Spiele betreuen, und Ligen, die an ein einzelnes Spiel gebunden sind und meist vom Hersteller gesteuert werden [1]. Zur ersten Gruppe gehört die Esports Integrity Commission (ESIC), ein gemeinnütziger Mitgliederverband, der 2015 gegründet wurde [5]. Nach eigener Aussage ermittelt sie gegen alle Formen von Betrug und Fehlverhalten, ausdrücklich auch Spielmanipulation und Doping [5]. Zu ihren Mitgliedern zählen große Turnierveranstalter wie ESL, DreamHack, FACEIT und BLAST [5].

Schreibtisch mit Aktenstapeln, zugeklapptem Laptop und Schreibtischlampe im Abendlicht
Bild: KI-generiert

Die Teilnahme an der ESIC ist für Ligen und Veranstalter freiwillig [1]. Eine Sperre der ESIC wirkt deshalb bei ihren Mitgliedern, andere Ligen entscheiden selbst. Hersteller wie Valve sperren zusätzlich in eigener Regie, etwa für die Turniere, die sie unterstützen [2]. Ein Spieler kann also bei einem Veranstalter gesperrt sein und bei einem anderen wieder spielen dürfen, wie der folgende Fall zeigt.

iBUYPOWER: ein abgesprochenes Spiel in Counter-Strike

Am 21.08.2014 verlor das US-Team iBUYPOWER in der CEVO-Liga gegen NetcodeGuides.com mit 4 zu 16 [2]. Wenige Tage später tauchten Bildschirmfotos auf, in denen ein Spieler behauptete, das Spiel sei verschoben gewesen. In der Szene wurden sie damals weitgehend abgetan [2]. Erst im Januar 2015 veröffentlichte eine Bekannte eines Spielers Chatnachrichten, die die Absprache und Wetten über Zweitkonten auf einer Wettseite für Spielgegenstände belegten. Der Hauptwetter soll über neun Konten rund 10.738 US-Dollar gewonnen haben [2].

Valve reagierte am 26.01.2015 mit einem Blogbeitrag und wies seine Turnierpartner an, die Beteiligten bei keinem von Valve unterstützten Turnier mehr in irgendeiner Rolle zuzulassen [7]. Eine Dauer nannte der Beitrag nicht. Betroffen waren sechs Spieler und der Gründer von NetcodeGuides.com [7]. Andere Veranstalter gingen später eigene Wege: ESL hob ihre Sperren im August 2017 auf, DreamHack folgte im September 2017. Bei Valve-Turnieren dürfen die Spieler seit Januar 2025 wieder antreten, zehn Jahre nach dem Ausschluss [2].

Ein Fall aus Deutschland: Sperre und Gerichtsstreit

Auch in Deutschland gab es früh einen Cheating-Fall mit Gerichtsbeteiligung. Die ESL sperrte einen Counter-Strike-Spieler aus der ESL Pro Series für zwei Jahre [1]. Sie warf ihm vor, in Onlinespielen einen Aimbot und einen Wallhack benutzt zu haben, genannt wird ein Spiel vom 22.11.2007. Den Verdacht stützte die ESL auf die Auswertung von Spielaufzeichnungen [8]. Sein Team ging dagegen vor einem Kölner Gericht vor, um trotz der Sperre in der Liga antreten zu können [8]. Ob er tatsächlich betrogen hatte, entschied das Gericht nicht. Es hielt die Maßnahmen der ESL aber für angemessen [1].

Südkorea: Wettbetrug in der StarCraft-Szene

Den ersten großen Fall von Spielmanipulation im E-Sport gab es 2010 in Südkorea. Die Korea e-Sports Association (KeSPA) sperrte damals elf StarCraft-Spieler dauerhaft und verhängte Geldstrafen, einige Beteiligte wurden zusätzlich strafrechtlich verurteilt [1].

2016 folgte der Fall Lee "Life" Seung-hyun, eines bekannten Profis in StarCraft II, der unter anderem zweimal die GSL gewonnen hatte [4]. Die Staatsanwaltschaft in Changwon ermittelte ab Januar 2016 wegen zweier verschobener Spiele im KeSPA Cup [4, 13]. Im April 2016 wurde er zusammen mit einem weiteren Spieler und elf Geldgebern und Vermittlern verurteilt [4]. Das Gericht verhängte 18 Monate Haft, ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung, und eine Geldstrafe von 70 Millionen Won. Von koreanischen E-Sport-Veranstaltungen ist er lebenslang ausgeschlossen [4].

Aimbot im Turnier: ein Fall aus Shanghai

Beim Turnier eXTREMESLAND ZOWIE Asia 2018 in Shanghai flog ein Profi direkt am Turnierrechner auf. Ein Spieler des Teams OpTic India steht im Verdacht, während des Spiels einen Aimbot, also eine Zielhilfe, genutzt zu haben [11]. Nach dem Bericht prüfte ein Turnierbetreuer seinen Rechner und hielt ihn fest, als er offenbar versuchte, ein Programm zu löschen [11]. Das Team wurde disqualifiziert und löste sich danach auf [11].

Turnierbetreuer steht hinter einem Spielertisch bei einem LAN-Turnier, der Bildschirm ist ausgeschaltet
Bild: KI-generiert

ESL India prüfte anschließend Aufnahmen eines früheren Turniers, des India Premiership Fall Finals, und sah dort nach eigener Einschätzung ebenfalls Hinweise auf Cheating. Die ESIC sperrte den Spieler daraufhin für fünf Jahre [1]. Wie Anti-Cheat-Programme solche Software sonst finden, erklärt die Seite Anti-Cheat-Systeme.

Der Zuschauer-Bug: Trainer mit Blick über die Karte

Nicht jeder Betrug braucht ein Zusatzprogramm. In Counter-Strike: Global Offensive gab es einen Fehler im Zuschauermodus, über den Trainer Teile der Karte sehen konnten, die ihnen im Spiel verborgen bleiben sollten. Am 26.08.2020 machte ein Trainer den Fehler öffentlich, Valve behob ihn noch am selben Tag [3]. Am 31.08.2020 wurden die ersten drei Trainer gesperrt [3].

Trainer sitzt bei einem Turnier hinter zwei Spielern, alle tragen Headsets und sind von hinten zu sehen
Bild: KI-generiert

Die ESIC begann am 04.09.2020 eine Untersuchung, die Spielaufzeichnungen bis zurück ins Jahr 2016 umfasste. Nach Prüfung von 20 Prozent der 99.650 Aufzeichnungen sperrte sie am 28.09.2020 37 Trainer für 3,75 bis 36 Monate [3, 10]. Im Mai 2022 kündigte sie Strafen für fast 100 weitere Beteiligte an [3]. Bei diesem Fehler gab es keine Cheat-Software, die ein Schutzprogramm hätte finden können. Die Ermittler mussten die Aufzeichnungen selbst auswerten.

Makros, Spielfehler und Medikamente

Betrug kann auch in der Hardware stecken. Bei der Qualifikation zu The International 2018 in Dota 2 hatte ein Spieler des peruanischen Teams Thunder Predator am 19.06.2018 Makrobefehle in seine Maus programmiert [1]. Der Veranstalter FACEIT wertete die programmierte Maus wie ein Skript und schloss das Team aus [1].

Andere Fälle drehen sich um Fehler im Spiel. Bei DreamHack Winter 2014 nutzte das Team Fnatic in Counter-Strike Fehler, mit denen Spieler auf unsichtbaren Kanten standen und durch feste Wände sehen konnten. Weil das gegen die Turnierregeln verstieß, sollte die Partie wiederholt werden, Fnatic gab sie stattdessen kampflos ab [1].

Ein drittes Thema ist Doping. Nachdem ein Profi 2015 öffentlich gesagt hatte, in der Counter-Strike-Szene nehme fast jeder das Medikament Adderall, führte ESL bis August 2015 Dopingregeln ein [1]. Ob solche Tests viel bewirken, ist umstritten, denn manche Mittel lassen sich nur kurz im Körper nachweisen [1].

Verbotene Blicke auf der Bühne

Bei Turnieren mit Publikum hängen oft große Bildschirme in der Halle, die das Spiel für die Zuschauer zeigen. Wer dort hinschaut, sieht Positionen, die das eigene Spiel verbirgt. Diese Art des Betrugs heißt Ghosting [1]. Bei der League-of-Legends-Weltmeisterschaft 2012 schien ein Spieler des Teams Azubu Frost während eines Spiels gegen Team SoloMid auf die Zuschauerbildschirme zu blicken [1]. Riot Games ließ das Ergebnis stehen, weil der Vorfall das Spiel nach eigener Prüfung nicht wesentlich beeinflusst hatte, verhängte aber eine Strafe von 30.000 US-Dollar gegen das Team [9].

Gehackte Profis beim Apex-Legends-Finale 2024

Im März 2024 traf es Profis, die selbst nichts getan hatten. Während der nordamerikanischen Regionalfinals der Apex Legends Global Series wurden unter anderem zwei bekannten Profis mitten im Spiel Cheats aufgespielt: dem einen eine Anzeige aller Spielerpositionen, dem anderen eine automatische Zielhilfe [12]. Die Finals wurden verschoben. Easy Anti-Cheat, das in Apex Legends eingesetzte Schutzprogramm, erklärte am 18.03.2024, es sei überzeugt, dass in der eigenen Software keine Schwachstelle zur Ausführung fremden Codes ausgenutzt werde [12]. Die betroffenen Spieler hatten die Cheats nicht selbst gestartet, sie wurden ihnen von Dritten untergeschoben.

Angriffe von außen gab es schon früher, nur auf anderem Weg. 2015 wurde ein Spieler von Denial Esports während eines Spiels der europäischen League of Legends Challenger Series gegen Dignitas mit einer DDoS-Attacke angegriffen, also mit einer Flut von Datenverkehr, die seine Internetverbindung lahmlegte [1]. Auch an anderen Orten wurde er erneut angegriffen. Weil die erlaubte Pause von zehn Minuten überschritten war, musste das Team das Spiel aufgeben [1].

Wie Fälle aufgedeckt werden

Die Beispiele zeigen drei Wege, auf denen Betrug ans Licht kommt. Bei iBUYPOWER waren es private Nachrichten, die Monate später öffentlich wurden [2]. Beim Turnier in Shanghai war es die Aufsicht vor Ort, gefolgt von der Prüfung älterer Aufnahmen [1]. Beim Zuschauer-Bug war es die systematische Auswertung zehntausender Spielaufzeichnungen [3]. Technische Erkennung durch Anti-Cheat-Software spielt bei Turnieren also nur eine Rolle unter mehreren. Wie Hersteller inzwischen mit maschinellem Lernen nach Zielhilfen suchen, steht auf der Seite KI-Cheats und Aimbots.

Für die Betroffenen sind die Folgen meist ähnlich: Ausschluss von Turnieren, Verlust des Platzes im Team und, je nach Land und Fall, ein Strafverfahren. Ob Cheaten in Deutschland strafbar sein kann, erklärt die Seite Ist Cheaten strafbar?, die Regeln des Strafgesetzbuchs zum Betrug stehen ausführlich auf betrug.domain-root.de. Was eine Sperre für normale Spieler bedeutet, beschreibt Bann nach Cheaten, und warum Fairness auch außerhalb der Profiligen zählt, steht unter Fair Play im Multiplayer.

  1. Cheating in esports. Wikipedia (englisch). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
  2. Counter-Strike match fixing scandal. Wikipedia (englisch). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
  3. Counter-Strike coaching bug scandal. Wikipedia (englisch). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
  4. Life (gamer). Wikipedia (englisch). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Esports Integrity Commission: Startseite und Selbstdarstellung. Esports Integrity Commission (ESIC). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
  6. Apex Legends Global Series. Wikipedia (englisch). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Integrity and Fair Play. Valve Corporation, Counter-Strike Blog. Stand 26.01.2015. abgerufen am 29.10.2026
  8. Cheating-Vorwurf in Counter-Strike-Liga wird vor Gericht verhandelt. heise online. Stand 2008. abgerufen am 29.10.2026
  9. Riot rules on League of Legends screen-watching incident, issues $30,000 fine. PC Gamer. Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
  10. ESIC issues bans to 37 coaches for spectator bug use. HLTV.org. Stand 28.09.2020. abgerufen am 29.10.2026
  11. Watch a Counter-Strike pro get caught cheating during a major esports tournament. Polygon. Stand 21.10.2018. abgerufen am 29.10.2026
  12. Apex Legends esports final delayed by hack claims. BBC News. Stand 18.03.2024. abgerufen am 29.10.2026
  13. The life of Life: Chronicling the rise and fall of Lee Seung Hyun. ESPN. Stand 25.04.2016. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.