Fair Play und Anti-CheatRatgeber

Anti-Cheat-Systeme: wie Spiele Cheater erkennen

Anti-Cheat-Systeme prüfen an zwei Stellen. Ein Programm auf deinem Rechner sucht nach Software, die in das Spiel eingreift, und der Server wertet aus, ob dein Spielverhalten plausibel ist. Wer auffällt, bekommt je nach Anbieter eine Sperre, eine Hardware-Sperre oder Einschränkungen im laufenden Spiel.

Dunkles Spielzimmer mit Headset und violett beleuchteter Tastatur auf dem Schreibtisch, der Monitor ist ausgeschaltet
Bild: KI-generiert

Ein Anti-Cheat-System soll in Online-Spielen erkennen, wer sich mit verbotener Software einen Vorteil verschafft. Die großen Anbieter kombinieren dafür mehrere Verfahren: ein Programm auf deinem Rechner, Auswertungen auf dem Server, Meldungen anderer Spieler und zunehmend Prüfungen der Hardware. Diese Seite erklärt, wie die Bausteine zusammenspielen und welche Folgen eine Erkennung hat. Anleitungen zum Umgehen gibt es hier nicht.

Zwei Orte für die Prüfung

Grundsätzlich kann ein Spiel an zwei Stellen nach Betrug suchen. Auf deinem Rechner läuft ein Programm, das den Spielprozess, geladene Module und andere Software beobachtet. Auf dem Server laufen die Daten aller Partien zusammen, dort lässt sich prüfen, ob Treffer, Bewegungen und Reaktionszeiten zu einem Menschen passen.

Activision beschreibt sein System RICOCHET für Call of Duty genau als solche Mischung: serverseitige Werkzeuge, die Spielstatistiken auf Betrug auswerten, dazu ein eigener Treiber auf dem PC, verbesserte Ermittlungen durch ein Sicherheitsteam und Maßnahmen gegen Cheater im laufenden Spiel.[3] Easy Anti-Cheat von Epic Games nennt als Grundlage Heuristiken, die Auswertung des Spielverlaufs und Meldungen von Spielern.[1]

Software auf deinem Rechner

Der Teil auf dem PC heißt Client-Anti-Cheat. Er startet mit dem Spiel oder schon mit Windows und schaut nach Programmen, die auf den Speicher des Spiels zugreifen oder eigenen Code einschleusen wollen. Activision schreibt, der RICOCHET-Treiber melde Anwendungen, die mit dem Spiel interagieren wollen. Er laufe nur, solange du ein geschütztes Call of Duty auf dem PC spielst, und ohne ihn kannst du ein so geschütztes Spiel am PC nicht spielen.[3]

BattlEye bezeichnet seinen Schutz als vollständig proaktives, kernelbasiertes System. Die Prüfroutinen steuert der Anbieter laufend vom Server aus, sodass sie sich ohne Spiel-Update ändern lassen.[2] Kernel heißt: Der Treiber läuft mit denselben Rechten wie das Betriebssystem selbst. Das macht ihn für Cheats schwerer zu täuschen, wirft aber Fragen zu Sicherheit und Privatsphäre auf. Beides behandeln die Seiten Kernel-Anti-Cheat und Anti-Cheat und Privatsphäre genauer.

Riot Games lädt den Treiber von Vanguard bisher schon beim Windows-Start. Riot begründet das so: Ein Cheat, der vor dem Spiel geladen wird, könnte über einen anfälligen Treiber Code einschleusen und danach wieder verschwinden. Mit dem frühen Start kann Vanguard von Anfang an nach bekannten anfälligen Treibern suchen.[4]

Auswertung auf dem Server

Auf dem Server fällt auf, was auf dem Rechner verborgen bleibt: Zielbewegungen, die zu präzise sind, Trefferquoten außerhalb des menschlich Üblichen, Reaktionen ohne Verzögerung. Der Server braucht keinen Zugriff auf deinen PC und lässt sich vom Cheat-Programm nicht manipulieren.

Gang in einem Rechenzentrum mit Serverschränken und kleinen blauen und grünen Kontrollleuchten
Bild: KI-generiert

Valve hat 2018 auf der Game Developers Conference gezeigt, wie das mit maschinellem Lernen funktioniert. Das System VACnet lernte aus Fällen, die menschliche Prüfer im Counter-Strike-Verfahren Overwatch bewertet hatten, und schaute sich dafür die Mausbewegungen rund um bis zu 140 Schüsse aus acht Runden an.[6] Laut dem Bericht prüfte VACnet rund 600.000 Partien am Tag und brauchte dafür etwa 1.700 Prozessoren. Die Entscheidung blieb bei Menschen: VACnet schlug Fälle vor, die Spieler in Overwatch dann begutachteten. Von Spielern gemeldete Fälle führten nur zu 15 bis 30 Prozent zu einer Verurteilung, VACnet-Fälle zu 80 bis 95 Prozent.[6]

Wie gut solche Modelle heute arbeiten, legen die Anbieter nicht offen. Wie KI auf beiden Seiten eingesetzt wird, steht auf der Seite KI-Cheats und Aimbots.

Hardware und Startvorgang

Die teuersten Cheats arbeiten mit zusätzlicher Hardware. Bei sogenannten DMA-Cheats liest ein Gerät den Arbeitsspeicher direkt aus, an Prozessor und Windows vorbei. Riot nennt sie die wirksamste und teuerste Form des Cheatens.[5] Gegen solche Geräte hilft eine Funktion des Mainboards, die IOMMU. Sie legt fest, welches Gerät auf welchen Speicher zugreifen darf.

Nahaufnahme eines geöffneten PCs mit Mainboard, Arbeitsspeicher und kleinem Sicherheitschip in violettem Licht
Bild: KI-generiert

Im Dezember 2025 meldete Riot eine Lücke bei mehreren Mainboards: Sie zeigten den Schutz vor DMA-Zugriffen beim Start als aktiv an, obwohl die IOMMU zu dem Zeitpunkt noch nicht vollständig eingerichtet war. Die Hersteller haben dafür BIOS-Updates veröffentlicht. Wer betroffen ist, wird von Vanguard gesperrt, bis die Sicherheitsfunktionen eingeschaltet sind oder die Firmware aktualisiert ist. Riot schreibt, eine solche Sperre bedeute nicht zwangsläufig einen Cheat-Verdacht.[5]

Seit Juni 2026 bietet Riot an, den Vanguard-Treiber nur noch beim Spielen zu laden. Voraussetzung sind Windows 11 ab Version 25H2, Secure Boot, TPM 2.0, IOMMU sowie virtualisierungsbasierte Sicherheit mit Speicherintegrität. Der TPM-Chip meldet dann, welche Treiber seit dem Start geladen wurden. Laut Riot erfüllen etwa 35 Prozent der Spieler diese Bedingungen schon. Etwa 3 Prozent der wöchentlichen Spieler haben Rechner, die das technisch nicht können.[4]

Der Bericht des TPM-Chips enthält nach Riots Angaben nur den Namen und eine Prüfsumme jedes Treibers, keine persönlichen Daten. Weil sich diese Messwerte im TPM nur fortschreiben und nicht nachträglich ändern lassen, kann ein Cheat seine Spuren dort nicht verwischen.[4]

Maßnahmen im laufenden Spiel

Nicht jede Erkennung endet sofort mit einer Sperre. Activision setzt in Call of Duty Gegenmaßnahmen ein, die ehrliche Spieler vor Cheatern schützen sollen, ohne den Betrug sofort offenzulegen. Sie heißen Damage Shield, Cloaking, Disarm, Hallucinations und Splat.[3]

BattlEye setzt dagegen auf frühe Abwehr und sperrt nach eigenen Angaben Cheater, die durchkommen, innerhalb kurzer Zeit dauerhaft. Sperren können sich bei BattlEye an die SteamID oder das Konto knüpfen und auf Steam spielübergreifend gelten.[2]

Was nach einer Erkennung passiert

Welche Strafe folgt, entscheidet der Spielbetreiber nach seinen Regeln. Bei Call of Duty reicht die Spanne von befristeten Sperren über dauerhafte Sperren des Kontos bis zu Hardware-Sperren, die an das Gerät gebunden sind und auch andere Konten auf diesem Gerät treffen. Gegen Hardware-Sperren gibt es dort keinen Einspruch.[7] Auf Steam können Entwickler über Valves System Spielsperren verhängen, die öffentlich im Steam-Profil erscheinen. Sie sollen nur die gesicherten Server des betroffenen Spiels sperren, und gesperrte Spieler verlieren den Anspruch auf eine automatische Rückerstattung.[8]

Was dir nach einer Sperre bleibt und wie ein Einspruch abläuft, beschreibt die Seite Bann nach Cheaten. Die Systeme von Epic und BattlEye vergleicht Easy Anti-Cheat und BattlEye, Valves älteres System steht unter VAC und PunkBuster.

Grenzen und Fehlalarme

Kein System erkennt alles. Schon beim VACnet-Vortrag hieß es, dass Wallhacks und unauffällige, teure Privat-Cheats schwer zu finden seien.[6] Der Kreislauf ist bekannt: Ein Anbieter erkennt eine Methode, die Cheat-Hersteller ändern ihre Software, die Erkennung zieht nach.

Mann um die dreißig sitzt nachts nachdenklich vor einem zugeklappten Laptop, daneben liegt ein Gamepad
Bild: KI-generiert

Umgekehrt trifft eine Maßnahme manchmal Unschuldige, etwa wenn eine Sicherheitsfunktion im BIOS fehlt oder ein Hilfsprogramm dem Anti-Cheat verdächtig vorkommt. Die Anbieter haben dafür Einspruchswege: Easy Anti-Cheat hat ein eigenes Formular für Spieler, die sich zu Unrecht gesperrt fühlen.[1] Bei Call of Duty lassen sich nur dauerhafte Sperren anfechten.[7]

Was du als ehrlicher Spieler tun kannst

Meldungen aus der Community gehören bei den meisten Anbietern zum System. Easy Anti-Cheat nennt Spielerberichte ausdrücklich als eines seiner Signale.[1] Beim VACnet-Vortrag zeigte sich allerdings auch, dass viele Meldungen ins Leere gehen: Nur 15 bis 30 Prozent der von Spielern eingereichten Fälle endeten mit einer Verurteilung.[6] Melde deshalb konkrete Auffälligkeiten über die Funktion im Spiel und nicht jeden, der dich besiegt hat.

Halte außerdem deinen Rechner auf dem Stand, den das Spiel verlangt. Bei Riot entscheidet inzwischen die BIOS-Version mit darüber, ob du spielen darfst, und die Mainboard-Hersteller haben für die Lücke beim Start eigene Sicherheitshinweise veröffentlicht.[5] Bei Call of Duty gilt eine Strafe für das Activision-Konto auf allen verknüpften Geräten.[7] Wer sein Konto nicht schützt, riskiert also, dass ein Fremder mit Cheats spielt und die Strafe beim Kontoinhaber landet. Wie du Passwort und Anmeldung absicherst, steht auf betrug.domain-root.de.

Sicherheitsforschung statt Cheat-Bau

Wer sich für die Technik interessiert, kann sie legal untersuchen. Riot hat im April 2020 Prämien von bis zu 100.000 US-Dollar für Berichte ausgelobt, die praktisch nutzbare Lücken im Vanguard-Treiber nachweisen.[9] Solche Bug-Bounty-Programme laufen über feste Regeln: Die Regeln legt der Hersteller fest, bei Riot über die Plattform HackerOne. Wie Cheats grundsätzlich arbeiten, erklärt die Seite Wie Cheats technisch funktionieren, was ein Trainer tut, die Seite Was ist ein Trainer?.

  1. Organisation Easy Anti-Cheat. Epic Games. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation BattlEye: The Anti-Cheat Gold Standard. BattlEye Innovations. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation RICOCHET Anti-Cheat Overview. Activision. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Vanguard On-Demand: Anti-Cheat Update. Riot Games. Stand 24.06.2026. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Vanguard Security Update: Closing the Pre-Boot Gap. Riot Games. Stand 18.12.2025. abgerufen am 29.10.2026
  6. Valve präsentiert Anti-Cheat-KI VACnet. GameStar. Stand 26.03.2018. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Call of Duty Security and Enforcement Policy. Activision. Stand 31.07.2026. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation Steamworks Documentation: Anti-Cheat. Valve. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  9. Riot posts $100,000 bug bounty to track down flaws in Valorant's anti-cheat. Game Developer. Stand 20.04.2020. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.