Fair Play und Anti-CheatRatgeber

Anti-Cheat und Privatsphäre: was die Software auf deinem PC liest

Anti-Cheat-Programme lesen unter anderem laufende Prozesse, Treiber, Teile des Arbeitsspeichers und Hardware-Kennungen deines Rechners. Nach der DSGVO kannst du Auskunft über gespeicherte Daten verlangen, der Anbieter muss in der Regel innerhalb eines Monats antworten. Wie lange der Treiber läuft, unterscheidet sich stark zwischen den Systemen.

Schreibtischlampe beleuchtet nachts einen zugeklappten Laptop und ein kleines Vorhängeschloss, im Hintergrund ein Gamepad
Bild: KI-generiert

Anti-Cheat soll Online-Partien fair halten. Dafür muss die Software auf deinem Rechner nachsehen, was dort sonst noch läuft, und das betrifft auch Programme, die mit dem Spiel nichts zu tun haben. Diese Seite zeigt an Beispielen großer Anbieter, welche Daten erfasst werden, wann die Programme aktiv sind und welche Rechte du hast. Sie ersetzt keine Rechtsberatung.

Was Anti-Cheat auf deinem Rechner liest

Am genauesten legt BattlEye offen, was es verarbeitet. Laut Datenschutzerklärung sind das deine IP-Adresse, Kennungen aus dem Spiel wie Spielername oder Konto-ID, Hardware-Kennungen wie Seriennummern von Geräten, Angaben zum Betriebssystem, Informationen über Spiel- und Systemdateien und den Arbeitsspeicher, laufende Prozesse, Treiber und ausführbarer Code. Dazu kommen Dateinamen, in denen auch dein Benutzername im Betriebssystem stehen kann.[6]

Epic Games schreibt in seiner Datenschutzerklärung allgemeiner, Anti-Cheat-Dienste könnten Daten über deinen Computer und die Software darauf erfassen und auswerten, um Cheats zu erkennen. Diese Dienste stammen laut Epic entweder von Epic selbst oder von Dienstleistern. Epic hat seinen Hauptsitz in Cary im US-Bundesstaat North Carolina und betreibt Niederlassungen in vielen Ländern.[7] Riot Games verweist bei Vanguard auf seine allgemeine Datenschutzerklärung und schreibt, die Software sei mit Blick auf Datenschutz und regionale Datenschutzgesetze entwickelt und intern sowie von externen Prüfern untersucht worden.[8]

Gemeinsam ist allen: Ein Anti-Cheat muss andere Programme ansehen, sonst erkennt es keine Software, die in das Spiel eingreift. Der Unterschied liegt darin, wie viel davon gespeichert und an den Anbieter geschickt wird. BattlEye gibt an, bei den meisten Nutzern gar nichts zu speichern und Daten in der Regel nur nach einem Treffer der Erkennung aufzubewahren, dann aber unter Umständen so lange, wie BattlEye das Spiel betreut.[6]

Wann die Software läuft

Für die Privatsphäre macht es einen Unterschied, ob ein Treiber nur während des Spiels läuft oder ständig. Activision schreibt über den RICOCHET-Treiber von Call of Duty, er arbeite nur, wenn du ein damit geschütztes Spiel auf dem PC spielst. Er startet mit dem Spiel und endet, wenn du es schließt.[11]

Spiele-PC mit violett leuchtenden Lüftern in einem dunklen Zimmer, seitlich gesehen, der Monitor ist aus
Bild: KI-generiert

Riot Vanguard startet dagegen bisher mit Windows. Riot nennt es selbst eine Anwendung, die beim Hochfahren lädt. Wer Vanguard abschaltet, muss den Rechner neu starten, bevor er VALORANT spielen kann.[8] Seit Juni 2026 gibt es eine freiwillige Alternative: Auf PCs mit Windows 11 ab 25H2, Secure Boot, TPM 2.0, IOMMU und Speicherintegrität lädt der Treiber erst beim Start eines Riot-Spiels. Der Bericht, den der TPM-Chip dafür liefert, enthält laut Riot nur Namen und Prüfsummen geladener Treiber und keine personenbezogenen Daten.[9]

Hardware-Kennungen und Hardware-Sperren

Besonders heikel sind Kennungen, die an deinem Gerät hängen und sich nicht wie ein Passwort ändern lassen. BattlEye nennt Seriennummern von Geräten ausdrücklich als Beispiel für die Hardware-Kennungen, die es verarbeitet.[6] Riot beschreibt den Endorsement Key des TPM-Chips als Identität der Hardware, die Riot sperren könnte. Konten mit Einschränkungen brauchen laut Riot ein firmwarebasiertes TPM, um den Modus zu nutzen, der den Treiber nur beim Spielen lädt.[9]

Activision verhängt bei Call of Duty Sperren, die für das Gerät gelten und nicht nur für ein Konto, auch für frühere und künftige Teile der Reihe. Gegen diese Hardware-Sperren gibt es keinen Einspruch.[13] Kaufst du einen gebrauchten PC oder gibst du deinen weiter, kann eine solche Sperre also am Gerät hängen bleiben. Frag beim Kauf nach, wenn der Rechner vorher zum Spielen genutzt wurde.

Was das deutsche und europäische Recht sagt

Zwei Regelwerke greifen hier ineinander. Das Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetz (TDDDG) regelt in § 25 den Zugriff auf dein Gerät. Informationen auf deinem Rechner zu speichern oder dort gespeicherte Informationen auszulesen, ist danach nur mit deiner Einwilligung erlaubt, auf Grundlage klarer und umfassender Informationen. Ohne Einwilligung geht es nur, wenn der Zugriff unbedingt erforderlich ist, damit ein Anbieter einen Dienst bereitstellen kann, den du ausdrücklich gewünscht hast.[1]

Für die Verarbeitung personenbezogener Daten gilt die Datenschutz-Grundverordnung. Art. 6 erlaubt sie unter anderem mit Einwilligung, wenn sie für die Erfüllung eines Vertrags nötig ist oder wenn sie berechtigten Interessen dient und deine Interessen nicht überwiegen.[2] BattlEye stützt sich nach eigener Darstellung darauf, dass der Spielherausgeber seine berechtigten Interessen verfolgen und schützen will.[6] Ob das im Einzelfall genügt, entscheiden Datenschutzbehörden und Gerichte.

Deine Rechte nach der DSGVO

Du kannst vom Verantwortlichen eine Bestätigung verlangen, ob er Daten über dich verarbeitet, und wenn ja, Auskunft und eine Kopie dieser Daten (Art. 15 DSGVO). Das Recht auf eine Kopie darf die Rechte anderer nicht beeinträchtigen.[3] Der Anbieter muss unverzüglich antworten, spätestens innerhalb eines Monats. Bei komplexen oder vielen Anträgen kann er die Frist um zwei Monate verlängern, muss dir das aber im ersten Monat mit Begründung mitteilen (Art. 12 Abs. 3).[4]

Mann um die vierzig schreibt bei Tageslicht am Schreibtisch einen Brief, daneben eine Mappe und ein Stift
Bild: KI-generiert

Bei Anti-Cheat stoßen diese Rechte an Grenzen. BattlEye schreibt, man gebe keine Informationen heraus, die Betriebsgeheimnisse offenlegen würden, etwa Erkennungsprotokolle. Anfragen sollst du an den Herausgeber deines Spiels richten, weil BattlEye die Identität der Spieler nicht prüfen kann. Und wer Löschung oder Einschränkung verlangt, kann damit eine Sperre für das Spiel auslösen.[6]

Ein weiterer Punkt betrifft Sperren, die allein ein Programm verhängt. BattlEye gibt an, automatisierte Entscheidungen treffen zu können.[6] Art. 22 DSGVO gibt dir das Recht, keiner Entscheidung unterworfen zu werden, die ausschließlich automatisiert fällt und dich erheblich beeinträchtigt. Wo eine solche Entscheidung ausnahmsweise erlaubt ist, muss der Verantwortliche dir mindestens ermöglichen, dass ein Mensch eingreift, du deinen Standpunkt darlegst und die Entscheidung anfechten kannst.[5]

BattlEye zählt in seiner Datenschutzerklärung außerdem die Rechte auf Berichtigung, Löschung, Einschränkung, Widerspruch und Datenübertragbarkeit auf sowie das Recht, dich bei einer Datenschutzbehörde zu beschweren.[6] Nach Art. 77 DSGVO kannst du die Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde an deinem Wohnort, an deinem Arbeitsplatz oder am Ort des vermuteten Verstoßes einreichen.[14]

Treiber als Sicherheitsrisiko

Neben dem Datenschutz gibt es eine zweite Sorge: Ein Treiber mit Kernel-Rechten kann selbst zur Schwachstelle werden. Der Sicherheitsanbieter Trend Micro beschrieb im August 2022 einen Angriff, bei dem eine Ransomware-Bande den echten, signierten Anti-Cheat-Treiber mhyprot2.sys aus Genshin Impact missbrauchte. Damit beendeten die Angreifer aus dem Kernel heraus Virenschutzprogramme. Das Spiel musste auf dem angegriffenen Rechner nicht installiert sein, und das Zertifikat des Treibers war beim Erscheinen des Berichts noch gültig.[10]

Riot hat für Lücken im Vanguard-Treiber 2020 Prämien von bis zu 100.000 US-Dollar ausgeschrieben. Belohnt werden Berichte, die praktisch nutzbare Angriffe über den Treiber nachweisen.[12] Forscher bekommen damit einen Anreiz, gefundene Lücken an Riot zu melden.

Was du selbst tun kannst

Lies vor der Installation die Datenschutzerklärung des Spiels und, wenn es eine gibt, die des Anti-Cheat-Anbieters. Achte darauf, ob der Treiber mit Windows startet oder nur mit dem Spiel, und ob es wie bei Riot einen Modus gibt, der ihn nur beim Spielen lädt.[9]

Arbeitslaptop und Spiele-PC mit violetter Beleuchtung auf zwei getrennten Tischen in einem hellen Arbeitszimmer
Bild: KI-generiert

Spielst du ein Spiel nicht mehr, entferne es mitsamt Anti-Cheat. Riot beschreibt das Entfernen von Vanguard in einer eigenen Anleitung und weist darauf hin, dass ein Spiel, das Vanguard braucht, es beim nächsten Start wieder installiert.[8] Halte Windows und die Firmware deines Mainboards aktuell, denn manche Systeme verlangen inzwischen bestimmte Sicherheitsfunktionen, bevor sie ein Spiel starten.[9]

Wer vertrauliche Daten auf dem Rechner hat, etwa für die Arbeit, kann über einen getrennten Spiele-PC oder ein getrenntes Benutzerkonto nachdenken. Ein eigenes Konto schützt allerdings nicht vor einem Kernel-Treiber, der mit Systemrechten läuft.

Mehr zu den einzelnen Systemen findest du unter Easy Anti-Cheat und BattlEye und Kernel-Anti-Cheat. Wie Anti-Cheat grundsätzlich prüft, erklärt Anti-Cheat-Systeme, was nach einer Sperre passiert, die Seite Bann nach Cheaten.

  1. Gesetz § 25 TDDDG: Schutz der Privatsphäre bei Endeinrichtungen. Bundesministerium der Justiz. Stand 2024. abgerufen am 29.10.2026
  2. Gesetz Art. 6 DSGVO: Rechtmäßigkeit der Verarbeitung. Verordnung (EU) 2016/679. Stand 2016. abgerufen am 29.10.2026
  3. Gesetz Art. 15 DSGVO: Auskunftsrecht der betroffenen Person. Verordnung (EU) 2016/679. Stand 2016. abgerufen am 29.10.2026
  4. Gesetz Art. 12 DSGVO: Transparente Information und Modalitäten. Verordnung (EU) 2016/679. Stand 2016. abgerufen am 29.10.2026
  5. Gesetz Art. 22 DSGVO: Automatisierte Entscheidungen im Einzelfall. Verordnung (EU) 2016/679. Stand 2016. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Privacy Policy. BattlEye Innovations e.K.. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Epic Games Privacy Policy. Epic Games. Stand 18.07.2025. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation What is Vanguard?. Riot Games Support. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation Vanguard On-Demand: Anti-Cheat Update. Riot Games. Stand 24.06.2026. abgerufen am 29.10.2026
  10. Organisation Ransomware Actor Abuses Genshin Impact Anti-Cheat Driver to Kill Antivirus. Trend Micro. Stand 24.08.2022. abgerufen am 29.10.2026
  11. Organisation RICOCHET Anti-Cheat Overview. Activision. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  12. Riot posts $100,000 bug bounty to track down flaws in Valorant's anti-cheat. Game Developer. Stand 20.04.2020. abgerufen am 29.10.2026
  13. Organisation Call of Duty Security and Enforcement Policy. Activision. Stand 31.07.2026. abgerufen am 29.10.2026
  14. Gesetz Art. 77 DSGVO: Recht auf Beschwerde bei einer Aufsichtsbehörde. Verordnung (EU) 2016/679. Stand 2016. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.