Cheats verstehenRatgeber
Geschichte der Cheats
Die ersten Cheatcodes bauten Entwickler ein, um ihre Spiele schneller testen zu können. In den 1980er Jahren änderten Spieler auf Heimcomputern mit POKE-Befehlen Speicherwerte, ab 1990 kamen Steckmodule wie das Game Genie. Mit Online-Spielen entstanden um 2000 Anti-Cheat-Systeme, und seit Erfolgssysteme ab 2005 verbreitet sind, sperren viele Spiele Erfolge, sobald Cheats aktiv sind.

Cheats sind fast so alt wie Videospiele selbst. Am Anfang standen Testhilfen der Entwickler, dann kamen Zahlenkolonnen aus Zeitschriften, Steckmodule für Konsolen und Codes, die zu Filmzitaten und Insiderwitzen wurden. Mit Online-Spielen kippte das Bild: Aus dem Spaß im Einzelspieler wurde ein Problem für andere Spieler, und die Hersteller antworteten mit Anti-Cheat-Software. Diese Seite zeichnet die wichtigsten Schritte nach.
Cheats als Werkzeug der Entwickler
Die ersten Cheatcodes entstanden beim Testen. Wer ein Spiel prüft, muss bestimmte Stellen immer wieder erreichen, und Codes für Unverwundbarkeit oder Levelsprünge machten diese Arbeit leichter [1]. Viele dieser Hilfen blieben im fertigen Spiel, manche absichtlich, manche aus Versehen.
Das bekannteste Beispiel ist der Konami-Code. Kazuhisa Hashimoto baute ihn 1986 in die NES-Fassung von Gradius ein, weil er die schwierige Automatenfassung von 1985 nicht durchspielen konnte [1]. Der Code gab im Pausenmenü alle Verbesserungen für das Raumschiff auf einmal [3]. Entdeckt wurde er erst bei den Vorbereitungen zur Massenfertigung, und die Entwickler ließen ihn drin, weil sein Entfernen neue Fehler hätte verursachen können [3]. Die ganze Geschichte steht unter Der Konami-Code.
Ähnlich lief es bei Doom, das id Software am 10.12.1993 für MS-DOS veröffentlichte [4]. Der Programmierer Dave Taylor fügte Cheats für die Entwicklung ein und ließ sie im fertigen Spiel [4]. Im später veröffentlichten Quellcode sind sie nachzulesen: "iddqd" schaltet die Unverwundbarkeit ein und setzt die Gesundheit auf 100, "idkfa" gibt alle Waffen, volle Munition, alle Schlüssel und 200 Rüstung [5]. Beide Codes wirken laut Quellcode nur im Einzelspieler [5]. Mehr dazu unter IDDQD und weitere Doom-Cheats.
Heimcomputer: POKE-Befehle und erste Trainer
Auf 8-Bit-Heimcomputern wie dem ZX Spectrum war Cheaten oft Handarbeit. Mit dem Befehl POKE änderte man vor dem Spielstart einzelne Speicheradressen, etwa für unendlich viele Leben oder Unverwundbarkeit [1]. Für das Spiel Knight Lore auf dem ZX Spectrum machte "POKE 47196,201" die Figur unverwundbar [1]. Zeitschriften wie die britische Crash druckten regelmäßig Listen solcher Befehle [1]. In Manic Miner gab es einen eingebauten Cheatmodus, den die Ziffernfolge 6031769 einschaltete [1].

Auch kommerzielle Hilfsprogramme gab es früh. Schon wenige Monate nach dem Erscheinen des Rollenspiels Wizardry im Jahr 1981 waren mindestens zwei Trainer dafür im Handel, WizPlus und WizFix [1, 15]. 1983 warb ein Programm namens "The Great Escape Utility" für das Spiel Castle Wolfenstein damit, jede Eigenschaft des Spiels umbauen zu können, für 15 Dollar [1]. In den 1980er und 1990er Jahren bauten Cracker-Gruppen Trainer oft direkt in Raubkopien ein. Solche Fassungen erkannte man an Pluszeichen hinter dem Namen [1].
Konsolen: Steckmodule wie das Game Genie
Auf Konsolen kam man nicht so leicht an den Speicher. Dafür entstanden Module, die zwischen Spiel und Konsole gesteckt wurden. Das bekannteste ist das Game Genie, entwickelt von Codemasters und in den USA vertrieben von Galoob [2]. Für das NES erschien es 1990 [2]. Spieler gaben Codes ein, die bestimmte Daten ersetzten, die das Spiel aus dem Modul las, und veränderten damit das Spielverhalten [2]. Später gab es Fassungen für Super NES, Game Boy, Sega Genesis und Game Gear, verkauft wurden laut Wikipedia fünf Millionen Stück [2].

Nintendo klagte gegen Galoob und verlor. Im Verfahren Lewis Galoob Toys, Inc. v. Nintendo of America, Inc. stellten die US-Gerichte fest, dass das Game Genie die Urheberrechte von Nintendo nicht verletzt. Das Bezirksgericht entschied im Juli 1991, das Berufungsgericht bestätigte das Urteil am 21.05.1992 [2, 14]. Neben dem Game Genie verbreiteten sich die Action-Replay-Module des Herstellers Datel und später das GameShark mit einer großen Datenbank an Codes [1].
Codes werden Kult
Cheats wurden zu einem eigenen Markt. Laut Wikipedia halfen Cheatbücher, Lösungshefte und Module dabei, das Cheaten zu einem festen Teil der Spielekultur zu machen, und aus dem Verkauf von Cheats als Produkt entstand eine eigene Branche [1]. Im Fernsehen lief später die Sendung "Cheat!" mit Codes und Lösungswegen [1]. Nicht alle fanden das gut: Das britische Magazin Amiga Power lehnte Cheats ab, weil sie nicht zu seinem Verständnis von Fairness passten [1].
In Strategiespielen wurden die Codes zu kleinen Witzen. In StarCraft brachte "show me the money" je 10.000 Gas und Kristall, "power overwhelming" machte unverwundbar, und "there is no cow level" schloss die Mission ab. Die Codes wirken nur im Einzelspieler [6]. Für Age of Empires II führte Microsoft in einem Hilfeartikel Codes wie "cheese steak jimmy's" für 1.000 Nahrung oder "how do you turn this on" für ein Sportauto mit zwei Maschinengewehren auf [7]. Im Mehrspieler funktionieren sie dort nur, wenn der Gastgeber "Allow Cheats" aktiviert [7]. Blizzard setzte die Reihe in Warcraft III fort: "greedisgood" bringt Gold und Holz, "iseedeadpeople" deckt die Karte auf, "allyourbasearebelongtous" bringt den sofortigen Sieg [13]. Die Namen spielen laut Warcraft Wiki auf den Film Wall Street, auf The Sixth Sense und auf ein Internet-Meme aus dem Spiel Zero Wing an [13]. Auch Doom hatte mehr zu bieten als IDDQD: "idclip" und "idspispopd" lassen dich durch Wände gehen, "idclev" springt in ein anderes Level, und "idbehold" mit einem Zusatzbuchstaben schaltet einzelne Extras wie Unsichtbarkeit oder den Strahlenanzug ein [5]. Weitere Beispiele sammelt die Seite Berühmte Cheatcodes aus der Spielegeschichte.
Online-Spiele und die ersten Anti-Cheat-Systeme
Im Einzelspieler schadet ein Cheat niemandem außer dem eigenen Spielspaß. Im Mehrspieler verschafft er einen unfairen Vorteil gegenüber echten Menschen. Mit Online-Shootern wurde das zum Problem, und es entstand eine neue Art Software. PunkBuster von Even Balance wurde von Tony Ray entwickelt, nachdem er sich über Cheater in Team Fortress Classic geärgert hatte. Die erste Testfassung kündigte die Firma am 21.09.2000 für Half-Life an, als erstes Spiel baute Return to Castle Wolfenstein das Programm fest ein [8].

Valve brachte 2002 sein eigenes System Valve Anti-Cheat (VAC) mit Counter-Strike heraus [9]. Am 17.11.2006 meldete Valve, die neue VAC-Technik habe über 10.000 Cheater erfasst [9]. Seitdem ist das ein Wettlauf: Cheat-Entwickler umgehen die Schutzprogramme, bis Updates sie zwingen, neue Wege zu suchen [1]. Wie VAC und PunkBuster arbeiten, steht unter VAC und PunkBuster.
Erfolge verändern den Umgang mit Cheats
Eine zweite Wende kam mit den Erfolgssystemen. Microsoft startete den Gamerscore mit der Xbox 360 am 22.11.2005, Valve folgte 2007 mit Erfolgen auf Steam, Sony 2008 mit Trophäen für die PlayStation 3 [10]. Ab Januar 2009 waren Trophäen für neue PlayStation-Spiele Pflicht [10]. Laut Wikipedia machte die Erfassung von Erfolgen in Echtzeit das Cheaten für den einzelnen Spieler unfair [1]. Erfolge stehen im Profil und lassen sich mit anderen vergleichen [10].
Die Hersteller reagierten unterschiedlich. Viele moderne Spiele haben Cheatcodes ganz entfernt und nutzen sie höchstens noch für geheime Boni [1]. Dass Spiele Cheater bloßstellen, ist allerdings älter als die Erfolge: Die 32X-Fassung von Doom tat nach dem vorletzten Level so, als würde sie zu DOS zurückkehren, wenn Cheats benutzt worden waren [1]. Half-Life 2: Episode Two vermerkt Cheats im Spielstand, sodass der Cheatmodus nach dem Laden aktiv bleibt, und Portal zeigt im Herausforderungsmodus "CHEATED!" über der Auswertung [1]. Andere Spiele behalten ihre Codes und sperren dafür Erfolge. In Die Sims 4 schalten auf Konsolen Codes, die "testingcheats true" voraussetzen, die Erfolge im aktuellen Spielstand ab, andere Spielstände bleiben laut EA unberührt [11]. Wann welches Spiel Erfolge sperrt, erklärt Cheats und Erfolge.
Die rechtliche Seite in Deutschland
Über Cheat-Werkzeuge wird auch vor Gericht gestritten. Am 31.07.2025 entschied der Bundesgerichtshof im Verfahren "Action Replay II" (Az. I ZR 157/21), dass der Vertrieb von Cheat-Software, mit der Nutzer den Programmablauf eines Computerspiels manipulieren, das Urheberrecht des Spieleherstellers an der Spielesoftware nicht verletzt, solange sie den Objekt- oder Quellcode nicht verändert. Die geprüfte Software änderte nur variable Daten, die das Spiel im Arbeitsspeicher der Konsole ablegt [12]. Ob Cheaten in Onlinespielen andere rechtliche Folgen haben kann, behandelt Ist Cheaten strafbar?.
Zeitleiste
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1981 | Erste kommerzielle Trainer für Wizardry [1] |
| 1986 | Konami-Code in der NES-Fassung von Gradius [1] |
| 1990 | Game Genie für das NES [2] |
| 1992 | Urteil im Fall Galoob gegen Nintendo in zweiter Instanz [2, 14] |
| 1993 | Doom mit IDDQD und IDKFA [4] |
| 2000 | PunkBuster für Half-Life angekündigt [8] |
| 2002 | Valve Anti-Cheat mit Counter-Strike [9] |
| 2005 | Gamerscore mit dem Start der Xbox 360 [10] |
| 2007 und 2008 | Erfolge auf Steam, Trophäen auf der PlayStation 3 [10] |
| 2025 | BGH-Urteil zu Cheat-Software für Konsolen [12] |
- Cheating in video games. Wikipedia (englisch). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
- Game Genie. Wikipedia (englisch). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
- Konami Code. Wikipedia (englisch). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
- Doom (1993 video game). Wikipedia (englisch). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation DOOM Quellcode linuxdoom-1.10, st_stuff.c. id Software (GitHub). Stand 1997. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation StarCraft Compendium: Single Player Cheat Codes. Blizzard Entertainment, Battle.net Classic. Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation AoE II: List of Enhancement (Cheat) Codes, Q242794. Microsoft Knowledge Base (Archiv). Stand 06.08.2002. abgerufen am 29.10.2026
- PunkBuster. Wikipedia (englisch). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
- Valve Anti-Cheat. Wikipedia (englisch). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
- Achievement (video games). Wikipedia (englisch). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation The Sims 4 Cheats. Electronic Arts. Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Pressemitteilung Nr. 149/2025: "Cheat-Software" für Spielkonsolen verstößt nicht gegen Urheberrecht, soweit sie Objekt- oder Quellcode der Spielesoftware nicht umschreibt. Bundesgerichtshof. Stand 31.07.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Warcraft III cheat codes. Warcraft Wiki. Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
- Lewis Galoob Toys, Inc. v. Nintendo of America, Inc.. Wikipedia (englisch). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
- The Wizardry Phenomenon. The Digital Antiquarian (Jimmy Maher). Stand 26.03.2012. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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