Cheats verstehenRatgeber

Cheat Engine: was das Programm kann und was es riskiert

Cheat Engine ist ein kostenloses Programm, das den Arbeitsspeicher laufender Spiele durchsucht und Werte wie Lebenspunkte oder Geld verändert. Der Entwickler richtet es auf Einzelspieler-Spiele ohne Internetverbindung aus. In Onlinespielen drohen Sperren durch Anti-Cheat-Systeme, und Virenscanner melden oft den Installer.

Dunkler Schreibtisch mit ausgeschaltetem Monitor, Tastatur, Maus und einer Lupe im violetten Licht
Bild: KI-generiert

Cheat Engine ist eines der bekanntesten Werkzeuge, um Spiele am PC zu verändern. Es findet Zahlen im Arbeitsspeicher eines laufenden Spiels, etwa Lebenspunkte, Munition oder Spielgeld, und schreibt neue Werte hinein. Das Programm kann deutlich mehr als ein einfacher Trainer und bringt entsprechend mehr Risiken mit. Diese Seite erklärt, was Cheat Engine kann, wo die Grenzen liegen und worauf du achten solltest.

Was Cheat Engine ist

Cheat Engine entwickelt Eric Heijnen unter dem Namen "Dark Byte" seit dem Jahr 2000 für Windows [3]. Laut der offiziellen Projektseite ist es ein Werkzeug, mit dem du Einzelspieler-Spiele ohne Internetverbindung verändern kannst [1]. Im Quellcode-Archiv beschreibt das Projekt sich als Entwicklungsumgebung zum Modden von Spielen und Anwendungen für den persönlichen Gebrauch [2].

Der Quellcode ist öffentlich einsehbar, und jeder darf eine eigene Fassung daraus bauen [1]. Geschrieben ist das Programm überwiegend in Object Pascal [3]. Die aktuelle Version 7.7 erschien laut Projektseite am 29.05.2026, neben Windows gibt es Fassungen für macOS und Linux [9].

Vorläufer: Speicheränderungen gab es schon auf dem Heimcomputer

Die Idee hinter Cheat Engine ist alt. Auf 8-Bit-Heimcomputern änderten Spieler mit dem Befehl POKE einzelne Speicherwerte, etwa die Zahl der Leben oder eine Unverwundbarkeit [8]. Schon wenige Monate nach dem Erscheinen des Rollenspiels Wizardry im Jahr 1981 gab es mindestens zwei kommerzielle Trainer dafür [8]. Solche Werkzeuge sind allerdings weniger verlässlich als die Codes der Entwickler, weil sie von Spielversion und Hardware abhängen [8]. Das gilt bis heute: Nach einem Update eines Spiels passen gespeicherte Adressen oft nicht mehr.

Was das Programm kann

Die Projektseite nennt als Bestandteile einen Speicherscanner, einen Debugger, einen Disassembler und Assembler, eine Funktion zur Änderung der Spielgeschwindigkeit und einen Baukasten für eigene Trainer [1]. Für Einsteiger ist vor allem der Scanner interessant. Die Oberfläche gibt es in sechs Sprachen, Deutsch gehört laut Wikipedia nicht dazu [3].

Nahaufnahme eines Arbeitsspeicher-Moduls auf dunklem Grund mit kleinen leuchtenden Punkten darüber
Bild: KI-generiert

Der Speicherscanner

Ein Spiel hält während des Spielens viele Zahlen im Arbeitsspeicher: wie viel Gold du hast, wie viele Pfeile im Köcher stecken, wie viel Energie deine Figur noch besitzt. Der Scanner sucht nach einem Wert, den du eingibst, und findet zunächst sehr viele Stellen im Speicher, an denen diese Zahl zufällig auch steht [3]. Ändert sich der Wert im Spiel, lässt sich die Liste weiter eingrenzen, bis die richtige Adresse übrig bleibt. Diese Adresse kannst du dann ändern oder auf einem festen Wert halten, ein "Einfrieren" wie bei klassischen Trainern [5].

Moderne Spiele legen ihre Objekte bei jedem Start an anderen Stellen im Speicher ab, auch weil Windows Programme an wechselnde Adressen lädt. Ein Wert, der heute an einer Stelle steht, liegt beim nächsten Start woanders. Zuverlässige Werkzeuge brauchen deshalb einen stabilen Weg zum Wert, etwa über feste Zeiger, die auf das Objekt verweisen [5]. Was technisch hinter Zeigern und Speicheradressen steckt, erklärt die Seite Wie Cheats technisch funktionieren.

Funktionen, die Anti-Cheat-Hersteller kritisch sehen

Cheat Engine bringt einen eigenen Treiber für den Systemkern mit. Damit lassen sich unter anderem Haltepunkte in der Hardware setzen und Schutzmaßnahmen auf Ebene der Programmschnittstellen umgehen [3]. Dazu kommen Werkzeuge für Direct3D, mit denen sich das Sichtfeld verändern oder Wände durchsichtig machen lassen. Laut Wikipedia werden sie mit aufwendiger Einrichtung auch für Zielhilfen genutzt [3]. Solche Funktionen sind in Einzelspieler-Spielen harmlos, im Mehrspielermodus aber genau das, wonach Anti-Cheat-Systeme suchen. Ein Anti-Cheat-System kann nicht erkennen, wofür du das Programm gerade benutzt. Für die Sperre reicht oft schon, dass es auf dem Rechner installiert ist oder läuft, wie Valve es für VAC beschreibt [4].

Skripte, Debugger und Trainer-Baukasten

Fast alle Funktionen von Cheat Engine lassen sich mit der Skriptsprache Lua steuern, bis hin zu eigenen Fenstern [3]. Über den Debugger und die Disassembler-Ansicht kann man sehen, welcher Programmteil einen Wert verändert [3]. Den Baukasten für eigene Trainer gibt es seit Version 6.1; laut Wikipedia wurde er seitdem kaum weiterentwickelt, inzwischen werden dafür eher Lua-Skripte genutzt [3].

Zum Lernen liefert Cheat Engine ein eigenes Übungsprogramm mit. Der Entwickler empfiehlt neuen Nutzern, es mindestens bis zum fünften Schritt durchzuarbeiten [1]. Das Übungsprogramm ist ein sicherer Ort zum Ausprobieren, weil dort kein echtes Spiel und kein Konto betroffen ist.

Cheat-Tabellen

Viele Nutzer laden fertige Cheat-Tabellen. Das sind Dateien, meist mit der Endung .ct, die Adressen, Skripte und Codestellen für ein bestimmtes Spiel speichern und von der Gemeinschaft geteilt werden [3].

2017 erhielt der Entwickler eine Abmahnung der Entertainment Software Association, des US-Branchenverbands der Spielehersteller. Der Verband warf dem Werkzeug vor, das Umgehen von Anti-Cheat-Schutz und den Zugriff auf kostenpflichtige Zusatzinhalte zu ermöglichen. Daraufhin stellte der Entwickler das öffentliche Teilen von Cheat-Tabellen auf seiner eigenen Seite ein [3]. Tabellen aus fremden Quellen sind Skripte, die mit Rechten auf deinem Rechner laufen. Was du nicht verstehst, solltest du nicht ausführen.

Die Risiken

Installer und Virenscanner

Laut Wikipedia enthielten die Installer von Cheat Engine wiederholt Angebote für zusätzliche Software, sogenannte potenziell unerwünschte Programme. Die meisten Virenscanner schlagen beim Installer an [3]. Das Programm selbst greift in fremde Prozesse ein und verändert deren Speicher, auch das löst bei Schutzprogrammen Warnungen aus.

Frau um die dreißig schaut nachts am Küchentisch skeptisch auf einen von hinten gesehenen Laptop
Bild: KI-generiert

Für dich heißt das: Lies bei jeder Installation jeden Schritt, lehne Zusatzangebote ab und lade das Programm nie von Seiten, die nicht zum Projekt gehören. Gerade bei Werkzeugen, bei denen Warnungen "normal" sind, verstecken Dritte gern echte Schadsoftware. Wenn ein Virenscanner anschlägt, solltest du die Datei nicht ungeprüft freigeben.

Anti-Cheat und Sperren

Der Entwickler schreibt selbst, dass Cheat Engine bei Onlinespielen sehr wahrscheinlich nicht funktioniert [1]. Wikipedia ergänzt, dass vom Einsatz in Mehrspielerspielen abgeraten wird [3]. Dazu kommt ein zweites Risiko: Anti-Cheat-Systeme suchen auf dem Rechner nach bekannter Cheat-Software. Valve beschreibt sein System VAC als automatisches Verfahren, das auf dem Computer installierte Cheats erkennt. Wer sich damit auf einem VAC-gesicherten Server anmeldet, wird für dieses Spiel dauerhaft gesperrt [4].

Laufen Cheat Engine und ein Onlinespiel gleichzeitig, kann das also auch dann eine Sperre auslösen, wenn du im Onlinespiel gar nichts verändern wolltest. Beende Cheat Engine vollständig, bevor du ein Spiel mit Anti-Cheat startest. Wie VAC sperrt und was ein Bann für dein Konto bedeutet, steht unter VAC und PunkBuster, einen Überblick über andere Systeme gibt Anti-Cheat-Systeme.

Spielstände und Erfolge

Wer Werte im Speicher ändert, kann Spielstände unbrauchbar machen, etwa wenn ein Wert außerhalb des Bereichs liegt, mit dem das Spiel rechnet. Lege vor jedem Versuch eine Sicherungskopie deiner Spielstände an. Auch eingebaute Cheats haben Folgen: In Die Sims 4 deaktivieren auf Konsolen Codes, die "testingcheats true" voraussetzen, die Erfolge im aktuellen Spielstand [6]. Wie du Spielstände sicher sicherst und bearbeitest, erklärt Spielstände bearbeiten.

Rechtliche Lage in Deutschland

Der Bundesgerichtshof hat am 31.07.2025 entschieden, dass eine Zusatzsoftware für Spielkonsolen, die nur Daten im Arbeitsspeicher verändert und den Programmcode des Spiels unberührt lässt, das Urheberrecht nicht verletzt (Az. I ZR 157/21). Geschützt seien Quell- und Objektcode, nicht die Funktionalität des Programms. Zuvor hatte der Europäische Gerichtshof auf Vorlage des BGH am 17.10.2024 über die Auslegung der Richtlinie 2009/24/EG über den Rechtsschutz von Computerprogrammen entschieden (C-159/23) [7].

Richterhammer neben einer zugeklappten Handkonsole und einem Gamepad auf dunklem Holztisch
Bild: KI-generiert

Das Urteil betrifft das Urheberrecht. Die Nutzungsbedingungen eines Spiels sind eine andere Frage: Viele Hersteller verbieten Cheat-Werkzeuge in ihren Bedingungen, und in Onlinespielen setzen sie das mit Sperren durch. Ob Cheaten in bestimmten Fällen strafbar sein kann, behandelt der Artikel Ist Cheaten strafbar?.

Wann eingebaute Cheats die bessere Wahl sind

Viele Spiele bringen eigene Cheats oder eine Entwicklerkonsole mit. Die Sims 4 öffnet am PC mit Strg, Umschalt und C eine Eingabe für Codes, "motherlode" bringt dort 50.000 Simoleons [6]. Solche eingebauten Befehle sind vom Hersteller vorgesehen, funktionieren nach Updates meist weiter und brauchen kein Programm, das in fremde Prozesse eingreift. Cheat Engine ist eher dann ein Thema, wenn ein Spiel keine eigenen Cheats bietet.

Wo die Unterschiede zwischen eingebauten Cheats, Mods und Trainern liegen, erklärt Cheats, Mods und Trainer. Wie Trainer arbeiten, steht unter Was ist ein Trainer?.

  1. Organisation About Cheat Engine. Cheat Engine (Eric Heijnen). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation cheat-engine (Quellcode-Archiv). Cheat Engine auf GitHub. Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
  3. Cheat Engine. Wikipedia (englisch). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Valve Anti-Cheat (VAC) System. Valve Corporation, Steam-Support. Stand 12.07.2021. abgerufen am 29.10.2026
  5. Trainer (games). Wikipedia (englisch). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation The Sims 4 Cheats. Electronic Arts. Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
  7. Behörde Zur urheberrechtlichen Zulässigkeit einer Cheat-Software (Pressemitteilung Nr. 149/2025). Bundesgerichtshof. Stand 31.07.2025. abgerufen am 29.10.2026
  8. Cheating in video games. Wikipedia (englisch). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation Cheat Engine (Startseite). Cheat Engine (Eric Heijnen). Stand laufend. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.