Geschichte der Cheats
Vom ersten Cheatcode 1972 bis zu KI-gesteuerten Cheats 2026. Wie sich die Cheat-Kultur entwickelt hat.
Die Anfaenge: 1970er
Erste Cheats im Mainframe-Zeitalter
Bereits in den 1970ern, als Spiele auf Mainframe-Computern liefen, gab es Cheats. Programmierer modifizierten den Code von Klassikern wie Spacewar! (1962) oder Adventure (1976), um sich Vorteile zu verschaffen oder neue Features zu testen.
Echter Cheat-Code im modernen Sinne: in Maze War (1973), einem der ersten Multiplayer-Spiele, gab es Kommandos für Test-Zwecke, die auch von Spielern genutzt wurden.
Die Heimcomputer-Aera: 1980er
POKE-Befehle und Cheat-Codes
Auf Heimcomputern wie dem Commodore 64, ZX Spectrum und Atari 800 wurden Cheats Volkssport. Mit POKE-Befehlen konnte man direkt Speicheradressen ändern - z.B. die Adresse, in der die Anzahl der Leben gespeichert war.
Spielezeitschriften wie 64'er oder ASM druckten regelmäßig POKE-Listen ab.
Der Konami-Code (1986)
1986 erschien in Gradius auf dem NES ein eingebauter Cheat von Programmierer Kazuhisa Hashimoto: Oben, oben, unten, unten, links, rechts, links, rechts, B, A. Mehr in Der Konami-Code. Wurde zum beruehmtesten Cheat-Code der Gaming-Geschichte.
IDDQD und IDKFA (1993)
Mit Doom (id Software) kamen IDDQD (God-Mode) und IDKFA (alle Items). Mehr in IDDQD und Doom-Cheats. John Romero und John Carmack legten Grundsteine für Konsolen-Cheats im PC-Bereich.
Die Cheats-Magazine-Aera: 1990er
Cheats als Marketing-Tool
In den 1990ern waren Cheats ein offizielles Verkaufsargument:
- Magazine druckten ganze Cheat-Listen - GamePro, GameStar, ASM
- Cheat-Bibeln erschienen als dicke Buecher (GameFAQs später online)
- Cheats wurden mit Spielen beworben als Bonus-Feature
- 1-900-Hotlines in den USA: Spieler riefen kostenpflichtig für Cheat-Tipps an
Trainer-Programme entstehen
Mit Spielen wie Stunt Island, Doom und später Diablo wurden externe Trainer-Programme populaer. Sie veränderten den Spielspeicher zur Laufzeit. Erste richtige Cheat-Software entstand: Game Genie (Hardware-Cheat-Modul) und PC-Trainer.
Klassische Codes der 90er
greedisgood- Warcraft III: Gold und Holzallyourbasearebelongtous- Warcraft III: Siegshow me the money- StarCraftrosebud- Die Sims (urspruenglich)klapaucius- SimCity 2000iamtheone- Dungeon Keeper
Die Online-Aera: 2000er
Multiplayer wird Standard
Mit DSL-Internet und Online-Multiplayer (Counter-Strike, World of Warcraft, Call of Duty) wurde Cheating zum echten Problem. Plotzlich war Cheaten nicht mehr Spaß mit sich selbst, sondern Schaden für andere.
Erste Anti-Cheat-Systeme
- 2000: PunkBuster für Half-Life, Battlefield - erstes großes Anti-Cheat (mehr in PunkBuster und VAC)
- 2002: VAC (Valve Anti-Cheat) für Steam-Spiele
- 2005: Warden von Blizzard für WoW
- 2006: nProtect GameGuard, in Korea verbreitet
Bot-Programme für MMOs
In World of Warcraft entstand eine ganze Industrie um Bots:
- Glider (später MMO Glider) - automatisches Leveling
- Honorbuddy - Bot für alles
- Bossland GmbH - deutscher Bot-Hersteller, später rechtlich verfolgt
Die Esports-Aera: 2010er
Cheating als ernstes Problem
Mit dem Aufstieg des Esports (League of Legends, CS:GO, Dota 2, Overwatch) wurde Cheating zur existenziellen Bedrohung. Preisgelder im sechsstelligen Bereich, Sponsoren, Live-Übertragungen.
Bekannte Skandale
- 2014: Joshua „Gosu“ Park in CS:GO - lebenslanger Ban
- 2015: KQLY-Affaere bei CS:GO Pro-Tournament
- 2018: Mehrere CS:GO-Profis VAC-banned
- 2020: Forsaken-Skandal im indischen CS:GO
Anti-Cheat wird invasiver
- 2014: Easy Anti-Cheat (EAC) wird populaer
- 2017: BattlEye wird Standard bei Bohemia, Bungie, Bluehole
- 2019: Valorant kuendigt Riot Vanguard an - Kernel-Level-Anti-Cheat
Die KI-Aera: 2020er
Maschinenlernende Cheats
2020-2023 entstanden erste KI-gestützte Cheats:
- Computer-Vision-Aimbots - analysieren den Bildschirm-Output, kein Memory-Zugriff nötig
- Hardware-basierte Cheats - extra Geräte (Cronus Zen, MaxAim) im Konsolen-Bereich
- DMA-basierte Cheats - zweites System liest Spielspeicher über direkten Hardware-Zugriff aus
Anti-Cheat antwortet mit KI
- Verhaltensanalyse: erkennt unnatuerliche Maus-Bewegungen
- Anomalie-Detection: ML-Modelle erkennen verdaechtige Muster
- Trusted Execution: Hardware-basierte Anti-Cheat-Methoden
Wettruesten 2026
Aktueller Stand: KI vs. KI. Cheats nutzen Computer Vision auf Bild-Daten, Anti-Cheat nutzt Verhaltensanalyse. Mehr in KI-Cheats 2026.
Singleplayer-Cheats heute
Während Multiplayer-Cheaten zu einer toxischen Industrie wurde, sind Singleplayer-Cheats vielfach harmloser geblieben:
- Bethesda baut Entwickler-Konsolen weiter ein (Skyrim, Fallout 4, Starfield)
- CD Projekt RED hat Witcher 3 und Cyberpunk 2077 mit Konsole versehen
- EA laesst Sims-Cheats unangetastet
- Rockstar baut weiter Cheat-Codes in GTA V Singleplayer
Zeitleiste der wichtigsten Ereignisse
- 1972: Erste Cheats in Spacewar! auf PDP-1
- 1973: Maze War mit ersten Test-Kommandos
- 1986: Konami-Code in Gradius
- 1989: Game Genie - Hardware-Cheats
- 1993: IDDQD in Doom
- 1994: GameShark für Konsolen
- 2000: PunkBuster - erstes großes Anti-Cheat
- 2002: VAC für Steam
- 2004: Glider Bot für WoW
- 2014: Easy Anti-Cheat
- 2020: Riot Vanguard, Kernel-Level Standard
- 2024: Bossland-BGH-Urteil zu Cheat-Software
- 2026: KI vs. KI im Anti-Cheat-Wettruesten
IT-Praxis und Web-Entwicklung
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